Besetzung auf Aachener Marktplatz

Aktivist:innen klettern auf Bäume

Besetzung auf Aachener Marktplatz: Aktivist:innen klettern auf Bäume

  • Aktivist:innen sind am Samstag auf zwei Bäume auf dem Marktplatz geklettert.
  • Angemeldet wurde eine spontane Kundgebung gegen die Räumung des Dannenröder Forstes und die Verkehrspolitik Deutschlands.
  • Die Rodung im hessischen Wald ist fast beendet (den Hintergrund dafür findest du hier).

Aachen | Samstagvormittag haben Klimaschützer:innen auf dem Aachener Marktplatz gegen den Bau der Autobahn 49 und die dadurch notwendige Rodung des Dannenröder Forstes in Hessen demonstriert. Vier Aktivist:innen sorgten mit der Besetzung zweier Bäume für viel Aufsehen. Unverständnis brachten sie der einschreitenden Polizei entgegen.

Um kurz vor 11 Uhr tauchen die ersten Demonstrant:innen auf dem Markt auf. Mit einer Leiter, einem Banner und einer Palette unter den Armen sammeln sich schnell die ersten Passant:innen. Innerhalb weniger Minuten hängt das Banner präsent zwischen zwei Bäumen über dem Platz. Zwei Aktivist:innen bleiben auf einem Baum sitzen, einer der beiden geht auf die Palette, welche an einem Ast befestigt wurde.

Noch sind die verwunderten Passant:innen rings um die Aktion in Überzahl. Das ändert sich durch die Polizei nach etwa einer halben Stunde. Nach dem ersten Auto treffen immer mehr Einsatzwagen ein. Am Ende sind es sechs der Polizei und ein Fahrzeug des Ordnungsamtes. Der Wunsch der Aktivist:innen nach einer genehmigten Kundgebung findet bei den Beamt:innen vor Ort auf Gehör. Nach Anmeldung der Aktion mobilisieren die beteiligten unterschiedlichen Klimaschutzbewegungen zur Demo, darunter Fridays for Future.

Der Grund der Versammlung ist die Rodung von drei Wäldern in Hessen. Dort sollen trotz harter Kritik vieler Umweltschützer Teile der Mischwälder einer Autobahn weichen. Seit dem ersten Bericht und Überblick über den Dannenröder Forst auf AiXformation.de hat sich einiges getan. Stürze von Aktivist:innen bei den Arbeiten sorgten immer wieder für Schlagzeilen. Immer öfter wurde von Gewalt beider Seiten berichtet, die Rodung befindet sich aber mittlerweile in den letzten Metern. Heute mobilisierte Ende Gelände nochmal einige Hundert Personen in den Wald, um die Fertigstellung dieses Wochenende zu verhindern.

Ohne Aufregung verlief auch die Kundgebung in Aachen nicht. Denn die Polizei stellte bei der Genehmigung der Spontandemonstration aufgrund von möglicher Gefahr die Bedingung, dass keine Teilnehmer:innen die Bäume betreten dürfen. Für die beiden Besetzer:innen in den Bäumen bedeutete das, dass sie dort nicht ohne weiteres bleiben konnten. Nach Drohungen der Polizei, sie würde die Feuerwehr zur Räumung rufen und diese den beiden Personen in Rechnung stellen, verließen sie die Bäume. Dennoch wurde die Personalie einer der Aktivist:innen aufgenommen, laut Polizei um bei einer Nichtentsorgung der Palette einen Ansprechpartner zu haben. Vor Ort wurde dem Aktivist mit einer möglich aufkommenden Rechnung gedroht, dies habe er laut Polizei jedoch nicht mehr zu befürchten.

Nach mehrfacher Aufforderung verließ der Aktivist den Baum, bis zur Veröffentlichung des Artikels erwarteten ihn keine weiteren Konsequenzen.

Doch damit ließen die Demonstrierenden die Hundertschaft der Polizei noch nicht in Ruhe. Zwei weitere Aktivist:innen kletterten auf den anderen Baum und blieben zunächst darauf. Auch hier führten dieselben Drohungen zu einem freiwilligen Verlassen des Baumes. Allerdings versprach die Polizei davor, in diesem Fall nur einen Platzverweis auszusprechen, ohne Personalien aufzunehmen. Die beiden Personen wurden dennoch von der Polizei auf Personalien durchsucht.

Das führte bei den Demonstrant:innen zu großem Unmut. Viele verstanden nicht, wieso sich die Polizei nach dem aus ihrer Sicht kooperativen Verhalten der beiden Besetzer:innen nicht an die Absprachen gehalten habe – zumal die Anonymität bei politischen Versammlungen in Deutschland gesetzlich geschützt ist. Laut dem zuständigen Pressesprecher der Polizei sei dies ein Missverständnis gewesen. Die beiden Aktivist:innen seien erst nach der dritten Aufforderung der Bedingung nachgekommen, sodass das polizeiliche Angebot abgelaufen gewesen sei. Da es trotz allem freiwillig war, sehe die Polizei von einem Strafverfahren ab.

Der weitere Verlauf der Kundgebung verlief ohne weitere Zwischenfälle, die Palette wurde von den Aktivist:innen wieder von dem Baum entfernt. Auch das Banner wurde am Ende der Kundgebung wieder abgehangen. Ob die Blockaden des Ausbaus der A 49 nach Ende der fertiggestellten Rodung des Waldes enden, bleibt abzuwarten.

Schon vor zwei Wochen fand in Aachen eine Baumbesetzung statt. Auch hier wurde gegen die Rodung des Dannenröder Forstes demonstriert.

Johannes Schick
Über Johannes Schick 5 Artikel
Seit Mitte 2020 bei AiXformation dabei. Schreibt seitdem über Bauprojekte und Stadtentwicklung oder berichtet über Politik und Aktivismus.

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