Campus West

Aachens Großbaustelle

Campus West: Aachens Großbaustelle

Der geplante Campus West neben dem Westbahnhof. Quelle: Masterplan: RKW / FSW / BSV, Visualisierung: formtool¹
  • Beim „Campus West“ geht es um die zweite Campuserweiterung nach Melaten.
  • Es werden Investitionen von einer Milliarde Euro erwartet.
  • Diese Woche soll ein aktualisierter Masterplan beschlossen werden.

Aachen | Nicht nur wegen der 325.000 Quadratmetern großen Fläche, sondern auch wegen der Auswirkungen auf Forschung und Umgebung ist der Campus West momentan die wohl wichtigste Großbaustelle in der ganzen Region. Im Wahlkampf für die Kommunalwahlen hört man in vielen Parteiprogrammen Ideen zu der Baustelle. Ein Überblick über das milliardenschwere Projekt gibt es hier.

Der Campus der RWTH Aachen wird schon seit einigen Jahren erweitert. Seit 2009 stehen dem wichtigsten Arbeitgeber und Ausbilder der Region neue Flächen beim Campus Melaten zur Verfügung. Dabei stellt Melaten nur die erste Ausbaustufe des Geländes dar. Ein neues Gebiet nord-östlich des Westbahnhofes wird geschaffen: der Campus West.

Die Idee der Campuserweiterung

Das neue Gelände soll vor allem der Forschung dienen. Wie auch schon bei den bisherigen Campusflächen steht der Fokus auf eine intensive Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Man möchte nicht nur Platz für die technische Hochschule und einen Ausbau des Kerngeschäftes schaffen, sondern auch Firmen auf das Gelände locken. Mit enger Zusammenarbeit aller örtlichen Instituten und Unternehmen soll so die Forschung in der Region zukunftsweisend ausgebaut werden – und damit auch einige tausend Arbeitsplätze entstehen. Eine der größten Forschungslandschaften Europas würde entstehen.

Die drei Campusgebiete Mitte, Melaten und West. Quelle: RWTH Aachen

Der Campus Melaten ist der erste Schritt dieser Erweiterung. Er ist längst noch nicht abgeschlossen, es stehen jedoch sechs Zentren für verschiedene Fachbereiche, Cluster genannt, schon zur Verfügung. Fünf weitere sollen noch kommen. Auch einige der 400 eingeschriebenen Unternehmen sind dort schon angesiedelt. Als Paradebeispiel gelten Streetscooter und e.GO. Beide Elektroautohersteller sind aus dem Forschungsnetzwerk auf dem Campus hervorgegangen. Auch Grünflächen und Studentenwohnungen stehen auf dem Gelände.

Der Bauplan für den Campus West

Als zweiter Ausbauschritt soll auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände der Campus West entstehen. Erste Versionen des Masterplans für die Bebauung gab es bereits vor mehr als zehn Jahren. Gerade auch wegen großer Bürgerbeteiligung veränderten sich die Pläne im Laufe der Zeit. Diese Woche soll einer neuen Version zugestimmt werden.

Neben neuen Clustern und Unternehmensflächen soll auch Platz für Freizeit vor und nach dem Forschen entstehen. Neue Plätze, Grünflächen, Wohnungen und Gastronomiebereiche sollen dafür sorgen.

Der denkmalgeschützte Ringlockschuppen mit Drehscheibe wird zu einem Platz umfunktioniert. Quelle: Masterplan: RKW / FSW / BSV, Visualisierung: formtool¹

Als Verbindung des neuen Gebietes wird das Campusband gebaut (eine Straße für Autos und Fahrradfahrer) sowie daneben breite Grünstreifen für Fußgänger. Durch die Bürgerbeteiligung wurde entschieden, den Radweg doch getrennt von der Straße zu bauen. Das passt auch zu der angestrebten zukunftsorientierten Projektrealisierung mit begrünten Dächern, regionalen Pflanzenarten und guter ÖPNV-Anbindung.

Doch das wohl entscheidende am Campusband: Es verbindet die drei Campusgebiete Mitte, West und Melaten. Dazu soll eine Brücke über die Gleise und den Pariser Ring gebaut werden – kritisiert von vielen Laurensbergern. Denn Grünflächen müssten der Brücke weichen und sie würde mit ihrer Größe die Sicht auf die Landschaft stark beeinflussen. In der neuen Fassung des Masterplans wurde die Brücke aber angepasst und soll nun weniger störend ausfallen. Außerdem haben sich die Kosten gesenkt, die Stadt muss laut Planungen für die Brücke 9 Millionen Euro bezahlen, geplant waren mal 15 Millionen Euro.

Apropos Größe, mit 70 Metern soll der Campustower das größte Gebäude werden. Die Gebäude der einzelnen Cluster sollen 50 Meter groß werden. Auch hier ist man von ursprünglich höheren Zahlen heruntergegangen.

Der Stand der Dinge

Jahrelang lag die Fläche brach, wenig ist passiert. Die Planungen verzögerten sich. Das Mammutprojekt sorgte auch für viele Probleme. Mit 6000 neuen Auto-Fahrten pro Tag muss auf die eh schon stark belasteten Straßen in der Umgebung geachtet und Kreuzungen müssen neu gebaut werden. Auch Lärm- und Umweltschutz muss berücksichtigt und geprüft werden. Langsam tut sich allerdings vor Ort etwas. Mit der Brücke beispielsweise soll nächstes Jahr angefangen werden. Das erste Gebäude könnte schon 2023 stehen.

Bis der Bau fertig ist und sich Unternehmen niedergelassen haben, wird es wohl noch einige Jahre dauern.

Hintergrund: Die RWTH Aachen

Mit ca. 50.000 Studierenden ist die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen die größte technische Universität und hat mit 152 verschiedenen Studiengängen die meisten technischen Studiengänge in Deutschland. Für Aachen und die Region stellt sie als größter Arbeitgeber eine wichtige Rolle dar. Neben den knapp 10.000 direkten Angestellten wurden in den letzten 20 Jahren 30.000 Arbeitsplätze außerhalb der Hochschule durch Abspaltungen und Neugründungen geschaffen.

Dieser Artikel ist Teil der Serie „Aachens Großbaustellen“. Bald folgt der zweite Teil zum Altstadtquartier Büchel.


¹Bildquellen: http://www.aachen.de/DE/stadt_buerger/planen_bauen/stadtentwicklung/flaechen_wissenschaft/campus_west/Anlagen/Anl_5-Erlaeuterung_Masterplan.pdf und https://www.rwth-aachen.de/cms/root/Wirtschaft/Campusprojekt/~elf/RWTH-Aachen-Campus/

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Johannes Schick
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Schwerpunkte sind Stadtentwicklung und Bauprojekte in Aachen.

3 Kommentare

  1. Korrektur-Hinweis: In einer früheren Version war im Einleitungssatz von einer 325 Quadratmetern großen Fläche zu lesen. Natürlich ist das Gelände 325.000 Quadratmeter groß.

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