Rechtsextremismus in Aachen

Innenminister beschäftigt sich mit "Syndikat 52"

Rechtsextremismus in Aachen: Innenminister beschäftigt sich mit „Syndikat 52“

Gewaltsame Auseinandersetzung im März 2020 am Geldbrunnen: Zwei Anhänger des "Syndikats 52" mit Messer und Quarzsandhandschuhen. Foto: Antifaschistische Informationen Aachen (Collage)
  • Das „Syndikat 52“ ist eine neonazistische Gruppierung aus dem Raum Aachen.
  • Der NRW-Innenminister Herbert Reul hat sich in einer Antwort auf eine Landtags-Anfrage damit beschäftigt.
  • Das Papier beinhaltet Informationen über die Gründung, Zusammensetzung und Aktivitäten der Gruppe.

Düsseldorf/Aachen | Im Frühjahr 2020 richtete die GRÜNE-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag eine große Anfrage an die Landesregierung. Das Thema: Rechtsextremismus in NRW. Der Innenminister Herbert Reul (CDU) erwähnte Teile der Städteregion Aachen in seiner Antwort Monate später gleich mehrfach, insbesondere in Zusammenhang mit der neonazistischen Gruppierung „Syndikat 52“.

„Syndikat 52” als Auffangbecken

Im Jahr 2012 wurde die „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), ein Sammelsurium Rechtsextremer aus der Region Aachen, verboten. 2001 gegründet, zählte die KAL zu den aktivsten Kameradschaften Nordrhein-Westfalens und organisierte – insbesondere in der Kleinstadt Stolberg – eine Vielzahl rechtsextremer Veranstaltungen, bei denen regelmäßig Neonazis aus ganz Deutschland teilnahmen.

Die Auflösung der Vereinigung erschwerte den Aktivismus der Rechtsextremen, langfristig zerstörte sie die Aachener Neonazi-Szene aber nicht. Stattdessen schlossen sich viele der 2012 gegründeten Partei „Die Rechte“ an, um ihre neonazistischen Tätigkeiten weiter fortsetzen zu können. Die neonazistische Kleinpartei hatte kurz zuvor die Kreisverbände Aachen und Heinsberg gegründet. Sie agierte als Auffangbecken für ehemalige KAL-Mitglieder, erklärte Herbert Reul. So bildete sich aus ihren regionalen Ablegern im Jahr 2014 das Projekt „Syndikat 52“ hervor – eine direkte Fortführung der KAL-Strukturen, „um die aktionsorientierten Mitglieder zu binden“.

Zusammensetzung und Aktivitäten

Aus der Antwort des Innenministers geht hervor, dass das „Syndikat“ aus etwa 20 bis 30 Personen, größtenteils Männern, besteht. Die 52 im Namen stehe für die ersten beiden Ziffern der Postleitzahlen in Aachen und Heinsberg.

Anfangs beschränkten sich die Aktivitäten der Gruppierung größtenteils auf die Veranstaltung von „Sonnenwendfeiern“ und „Heldengedenken“, Feste, die davor häufig von der KAL organisiert wurden. Auch namentlich erwähnte Teile des Führungskaders blieben gleich.

Angriffe auf politische Gegner und Feindbilder gingen seit dem Verbot der KAL zunächst zurück, stattdessen kam es häufiger zu Sticker-Aktionen in der Innenstadt und dem Frankenberger Viertel. Allerdings tritt das „Syndikat 52“ seit Anfang 2017 auf Demonstrationen wieder stärker in Erscheinung. 2019 schändeten „Syndikat 52“-Mitglieder in Geilenkirchen einen jüdischen Friedhof. Auch gewalttätige Übergriffe auf (vermeintlich) Linke haben in den vergangenen Jahren erneut zugenommen.

Nazi-Angriff am Weltfrauentag 2020

Zwei bewaffnete Neonazis attackierten im März Teile eine Frauenrechts-Demonstration. Eine Pressesprecherin der Polizei bestätigte damals gegenüber AiXformation.de, dass die polizeibekannten Täter dem „Syndikat 52“ angehörten. In der Vergangenheit fielen sie schon durch gewalttätige Angriffe auf das „Autonome Zentrum“, einen stadtbekannten Treffpunkt linker Aktivist:innen, auf.

Einer Pressemitteilung eines antifaschistischen Recherche-Kollektivs zufolge haben die beiden Rechtsextremen vermeintliche Demonstrationsteilnehmer:innen am Aachener Markt angegriffen. Während einer der Neonazis die Opfer mit einem Messer bedrohte habe, hätte sie ein weiterer mit gefährlichen Quarzsand-Handschuhen versucht anzugreifen. Eine Gruppe Umstehender habe eingegriffen. Die Polizei stellte dagegen klar, dass die 30, teils vermummten Personen, dem linken Spektrum angehörten.

Meinung der Autorin

Die bisherigen Eskalationen, die von der Aachener Neonazi-Szene um „Syndikat 52“ ausgeht, zeigt, dass couragiertes Handeln seitens Politik, Presse, Behörden und Bürger:innen wichtiger ist denn je. Ein solidarisches Vorgehen aller im Kampf gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus scheint unumgänglich, ebenso die Frage, ob eine Demokratie solche Gefährdungen des gesellschaftlichen Umgangs ertragen muss.

Die ganze Antwort des Innenministers findest du hier.

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