“Wie Politiker momentan auf Schüler scheißen”

Aachener Youtuber Rezo wettert gegen Schulöffnungen

„Wie Politiker momentan auf Schüler scheißen“ – Aachener YouTuber Rezo wettert gegen Schulöffnungen und drohendes Prüfungschaos

Für sein Telefonat sprach der Aachener YouTuber auch mit dem Nordrhein-Westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet.
  • Rezo stellt sich in seinem neuesten Video gegen die heutigen Schulöffnungen.
  • Auch für die geplanten Abschlussprüfungen zeigt er kein Verständnis.

Aachen | Es gab im vergangenen Jahr wohl kein deutsches YouTube-Video, über welches in allen Altersgruppen, Medien und der Politik so viel diskutiert wurde wie die millionenfach angesehene „Zerstörung der CDU“ des Aachener YouTubers Rezo. Für sein Werk anlässlich der Europawahlen 2019 wurde er am Mittwoch in der Kategorie „Spezial“ für den Grimme Online Award nominiert.

Nur wenige Stunden später erschien auf seinem Youtube-Kanal Rezo ja lol ey ein Video mit dem Titel „Wie Politiker momentan auf Schüler scheißen…“, welches dem viel beachteten Anti-CDU Video aus dem Mai 2019 vom Aufbau her stark ähnelt. Auch dieses Mal liefert eine aktuelle Thematik den Anlass zur Erstellung des Videos: Rezo spricht über die geplanten Öffnungen von Schulen und die Durchführung von Abschlussprüfungen in Anbetracht der Coronapandemie, welche viele Schulen aufgrund der strengen Vorschriften momentan an ihre Grenzen bringen. Dabei stellt er sich hinter die Schüler*innen sowie Kritiker der geplanten Schulöffnungen, welche heute in ganz Nordrhein-Westfalen für die Abschlussklassen stattfinden sollen.

Besonders scharf kritisiert er die Kultusminister*innen und den Entschluss, im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten nicht auf Abschlussprüfungen zu verzichten. Neben den fehlenden Erfahrungswerten verweist er außerdem auf psychische Ängste, welche bei Schülern und Schülerinnen mit Angehörigkeit oder Bezug zur Risikogruppe bestehen, mangelnde Hygiene an Schulen und die Irrelevanz von Abschlussprüfungen, besonders bezogen auf das Abitur.

Telefonat mit Laschet

Für das Video telefonierte er auch mit dem Nordrhein-Westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) und entkräftet dessen Argumente (Nicht-Anerkennung eines „Durchschnittsabiturs“ in anderen Bundesländern) danach überzeugend im gewohnten Stil mit Verweis auf entsprechende Regelungen.

Nicht zuletzt widmet sich Rezo auch der umstrittenen Studie „HeinsbergProtokoll“ des Virologen Hendrik Streeck und erklärt seinen Zuschauer*innen, wieso diese nicht als Anlass für Lockerungen der Corona-Maßnahmen dienen sollte.

„Es tut mir wahnsinnig leid für euch, dass ihr jetzt diese krasse Scheiße durchmachen müsst, weil irgendwelche Entscheidungsträger krass inkompetent in ihrem Job sind“

Rezo

Den Schluss des Videos markiert neben einer Solidaritätsbekundung an die betroffenen Schüler*innen auch eine ziemlich markante politische Botschaft: Rezo blendet eine Liste der für die Entscheidung verantwortlichen Minister*innen aller Bundesländer inklusive ihrer Parteizugehörigkeit ein und ruft dazu auf, die jeweiligen Parteien bei den nächsten Landtagswahlen nicht mehr zu wählen. Seine Aussagen belegt er mit einem neunseitigen Dokument, in welchem sich vor allem Links zu Medienberichten befinden.

Fazit: Für die “Zerstörung der Schulpolitik” reicht Rezos Video nicht.

Das Video sahen noch am Tag der Veröffentlichung fast 500.000 User*innen – Auf Twitter sprechen ihm viele positiv zu und sehen in dem Video sogar eine Chance.

Rezo gelingt es erneut, sehr komplexe Sachverhalte leicht verständlich aufzubereiten und provokante Botschaften an die verantwortlichen Politiker*innen zu senden. Doch die Ursachenforschung für die schnelle Öffnung der Schulen bleibt aus. Im Video findet das „Lernen auf Distanz“, wie es derzeit an den Schulen in Deutschland praktiziert wird, keine Erwähnung, außerdem bleibt auch die angespannte Situation für erwerbstätige Eltern mit Grundschulkindern im Homeoffice unerwähnt, welche in der medialen Berichterstattung vielerorts prägend ist. Für die „Zerstörung der Schulpolitik“ reicht Rezos Video nicht, dennoch ist es wie sein erstes Video aus dem Mai 2019 ein wichtiges Sprachrohr für die Belange von Jugendlichen in ganz Deutschland.

Das Video findet ihr hier.


Beitragsbild: „Keynote Armin Laschet (Minister President…“ (CC BY-NC 2.0), Deutsche Welle

Peer Schwiders
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Schwerpunkte sind Aktivismus und nachhaltige Mobilität.

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