Zukunft des Büchel

Pläne für Aachener "Jahrtausendhaus"

Zukunft des Büchel: Pläne für Aachener „Jahrtausendhaus“

Stolz auf ihren Vorschlag: Unternehmer Urban Stricker (links) und Künstler Albert Sous im Ladenlokal der UWG. Foto: Vitus Studemund / aix:media
  • Das Parkhaus am Büchel steht kurz vor dem Abriss.
  • In vier Jahren soll die Fläche, die als besonders wertvoll gilt, neu bebaut werden. Wie genau, steht noch nicht fest.
  • Der Künstler Albert Sous (u. a. Kugelbrunnen) und die UWG rollen die Pläne für ein multifunktionales Bürgerhaus neu auf.

Aachen | Es schien eine unendliche Geschichte zu werden. Schon 1986 wurde der Abriss des Büchel-Parkhauses beschlossen. 2021 – also 35 Jahre später – soll das aber Wirklichkeit werden. Ein Konzept für eine multifunktionale Markthalle als u0022Bürgerhausu0022 entstaubt jetzt die UWG zusammen mit dem in Aachen bekannten Künstler Albert Sous,

Pläne für eine neue Nutzung des Areals scheiterten immer wieder.

Pläne für eine neue Nutzung des Areals scheiterten immer wieder. Zu einem Shoppingcenter, dem „Forum Kaiserquelle“ oder Hotelkomplexen kam es nie. Als dann 2019 die letzten Investoren ausstiegen, kaufte die Stadt das 4831 Quadratmeter große Grundstück mit Aussicht auf den Dom zurück.

Das Büchel-Parkhaus (Hintergrund rechts und links) direkt beim Bahkauv an der Mayerschen, Foto: Stadt Aachen / Andreas Herrmann

Auf einmal ging es ganz schnell: In nur kurzer Zeit wurde die Städtische Entwicklungsgesellschaft (SEGA) gegründet, ein Projekt-Team aufgebaut, mit den archäologischen Vor-Untersuchungen angefangen, eine Talk-Show ins Netz gestellt und der Abriss des Parkhauses vorbereitet. Bis Juni konnten Kreative, Investoren und Bürger ihre Konzepte in einem Sondierungsverfahren einbringen.

Eingereicht wurde auch ein Vorschlag, der Vielen bekannt seien könnte.

Eingereicht wurde bei der Kampagne der Stadt auch ein Vorschlag, der vielen Aachenern bekannt seien könnte: Schon 2014 startete der Künstler Albert Sous seine Initiative „Markthalle am Büchel“. Der Würselner, der auch schon den Kugelbrunnen gestaltete hat, erreichte mit Flyern, Gesprächen und Veranstaltungen damals schnell Aufmerksamkeit unter den Bürgern.

Nach etwa einem halben Jahr seines Engagements hatte Sous zahlreiche Unterstützer und Unterstützerinnen für sein unkonventionelles Vorhaben gesammelt. Das öffentliche Interesse ebbte dennoch ab. Trotzdem: „Irgendwann müsste es doch wieder zum Thema werden“, stellte Sous in seiner Autobiografie vier Jahre später fest.

Plakat mit 2014er Modell für Markthalle

„Ich möchte ein Haus für die Bürger und von den Bürgern bauen“.

Durch das Sondierungsverfahren der Stadt liegt sein Vorschlag – wohl neben vielen anderen – jetzt wieder auf dem Tisch. Unterstützer hat er erneut in der Unabhängigen Wähler*innen Gesellschaft (UWG) gefunden. Eine Wählergemeinschaft ist eine Gruppe, die bei Wahlen antritt, ohne eine Partei zu sein.

Bei einem Bürgergespräch am Samstag stellte er zusammen mit dem Unternehmer und UWG-Kommunalwahl-Kandidaten Urban Stricker seinen Vorschlag für den Büchel vor. Dafür hatte er sein eigenes Konzept aus 2014 erneuert: „Ich möchte nicht nur eine Markthalle bauen, ich möchte ein Haus für die Bürger und von den Bürgern bauen“, ein „Jahrtausendhaus“.

Das Adjektiv „multifunktional“ hat sich ihre Idee verdient.

Anschaulich erzählen Stricker und Sous, was sie sich vorstellen. Das Bürgerhaus soll ein Würfel von 36 Meter Seitenlänge werden und architektonisch weiterhin an eine Markthalle erinnern. Das Adjektiv „multifunktional“ hat sich ihre Idee dabei verdient. Ganz oben stellen sie sich eine Dachterrasse vor, außerdem eine Kinderbetreuung. Drei weitere Etagen könnten Wohnungen werden, Vorbild dafür ist Rotterdam. Die Vergabe soll unter sozialen Gesichtspunkten erfolgen.

Im Bürgerhaus sollen aber auch ansässige Läden und Startups ihren Platz finden können. Stricker und Sous wollen dabei aber, das betonen sie deutlich, keine großen Marken. Es sollen stattdessen regionale Märkte stattfinden und ein „Schaufenster der regional besonderen Handwerks- und Wissenschaftskünste“ entstehen.

Neben Handel, Gastronomie und Wohnen soll ihr Bürgerhaus auch ein Kultur- und Veranstaltungs-Ort werden.

Neben Handel, Gastronomie und Wohnen soll ihr Bürgerhaus auch ein Kultur- und Veranstaltungs-Ort werden. „Von Klassik bis zu Techno ist alles möglich“, so Urban Stricker. Durch den kompletten Neubau könnte das technisch möglich gemacht werden.

Durch die 36 Meter Höhe soll das ganze Haus in direktem Bezug zu Rathaus und Dom stehen. Das Oktogon von letzterem wird in der Architektonik durchgehend zitiert. Eine weitere Aachener Symbolik ergibt sich durch den Untergrund des Grundstücks, hier wird ein Quellgebiet vermutet.

„Es soll ein Aachener Modell gezeigt werden“.

Utopie oder vielleicht bald Realität? Schon 2014 fragten sich viele, wie das Konzept finanziell umsetzbar sei. Das Bürgerhaus soll trotz Läden und Märkten bewusst nicht rein kommerziell seien. Von der Wirtschaftlichkeit gibt sich Urban Stricker dennoch überzeugt: „Es soll hier ein Aachener Modell gezeigt werden“.

Hinter dem Haus würde, so der Vorschlag, eine Bürgergesellschaft stehen. Aachener könnten hier Geld anlegen und später eine Rendite erhalten. Eine Tochtergesellschaft würde als Betreiber des Bürgerhauses fungieren.

„Konsens zu finden, das ist jetzt unsere Aufgabe“

Die Idee des Bürgerhauses – oder eigentlich der „multifunktionalen Markthalle“ ist vermutlich nur eine von vielen, die Bürger, Investoren und Stadtmacher in das Sondierungsverfahren eingebracht haben. Auch sei es keine architektonische Ausarbeitung, dafür gebe es aber einen skulpturalen Entwurf, ein Nutzungskonzept und einen Finanzierungsvorschlag, so die beiden.

„Konsens zu finden, das ist jetzt unsere Aufgabe“, sagt Urban Stricker. Und was, wenn sich nach fast 35 Jahren Büchel (mit vielen Streitereien und Enttäuschungen) endgültig für einen anderen Vorschlag entschieden wird? „Hauptsache, dieses Hickhack hat hoffentlich bald ein Ende“.

Vitus Studemund
Über Vitus Studemund 32 Artikel
Vitus Studemund schreibt über Protest und Politik in Aachen.

1 Trackback / Pingback

  1. Volt, UFW, WIR & Co: Aachener Kleinparteien im Überblick | AiXformation.de

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.