Neu gegründete Bewegung: „Fridays gegen Altersarmut“ auch in Aachen

10 Forderungen stellt "Fridays gegen Altersarmut" an die Politik

Rund 30 Demonstrierende versammelten sich heute vor dem Aachener Rathaus, um gegen Altersarmut zu demonstrieren. Die dahinterstehende neue Bewegung Fridays gegen Altersarmut (FgA) ist allerdings stark umstritten.

Kaum ein Jahr war in letzter Zeit so politisch wie 2019. Vor allem Bewegungen wie Fridays for Future schafften es, das Thema Klimagerechtigkeit auf den Straßen und im Internet in die Öffentlichkeit und die Köpfe der Menschen zu bringen. Eine Taktik, die die auch die Bewegung Fridays gegen Altersarmut verfolgt – aber trotz unzweifelhafter Anspielung im Namen, im Kampf für ein besseres Rentensystem.

Auch in Aachen organisierte FgA, das sich hauptsächlich über Facebook organisiert, gleich zwei Kundgebungen. Während die in Burtscheid vor der deutschen Rentenversicherung menschenleer blieb, versammelten sich in der Innenstadt anfangs 20 Leute, zu denen später noch weitere stießen – insgesamt mehr als bei der ersten Aktion Ende November mit nur 7 Teilnehmenden.

FgA stellte auch auf der Aachener Demonstration die selbstentwickelten und bundesweiten 10 Forderungen vor, die sich unter anderem für ein „solidarisches Rentensystem“, gegen Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen und gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen – Ziele, die (trotz fehlender weiterer Erläuterung) nur wenige ablehnen würden. Dennoch ist in den sozialen Medien mittlerweile ein heftiger Streit um die politische Ausrichtung von FgA ausgebrochen.

Von Facebook aus auf die Straßen

Die Gruppe mit der alles begann, „Fridays gegen Altersarmut„, wurde schon im Herbst 2019 von dem Nutzer Heinrich Madsen, der von manchen später schon als „Greta-Pendant“ bezeichnet wurde, auf Facebook erstellt. Ziel war, dass die Initiative, die sich bewusst überparteilich gab, bis Sommer 2020 mehrere Hunderttausende Mitstreiter auf dem sozialen Netzwerk bekommen sollte, um dann eine Großdemonstration in Berlin veranstalten zu können. Als wichtiger Schritt in diese Richtung müsste FgA aber zuerst die Aufmerksamkeit der großen Medien auf sich ziehen – doch die kleinen und nur vereinzelt stattfindenden Demonstrationen in November 2019 bekamen weitestgehend keine Beachtung.

Rechts oder einfach breites Spektrum?

Kurze Zeit später explodierte die Facebook-Gruppe: Viele (überwiegend rechtspopulistische) Seiten und Accounts teilten die Beiträge des Gründers Madsen. Stand heute hat die Gruppe über 300.000 Mitglieder, wodurch sie Anfang 2020 immer mehr Aufmerksamkeit auf sich zog. Unter anderem ver.di Frankfurt warnte in einem mittlerweile gelöschten Artikel vor der Gruppe und nannte Madsen einen „Kriminellen“. Blogs und Nachrichtenseiten recherchierten über die Vernetzung der Admins – einschließlich Madsen – in das rechtsradikale Milieu. Auch AiXformation konnte auf den privaten Accounts zahlreicher Gruppen-Moderatoren rechte Narrativen (z.B. fehlende Existenz der BRD, Leugnen des menschengemachten Klimawandels) feststellen – auf anderen aber auch Positionierungen gegen Rechts. Aufgrund der öffentlichen Debatte distanzierten sich Ortsgruppen von Madsen, teilweise wurden Demonstrationen in einzelnen Städten deswegen abgesagt.

Uneinheitliches Bild auch in Aachen

Auch auf der Aachener Kundgebung, die trotz aller Kontroversen zumindest in der Innenstadt stattfand, zeigten Teilnehmende zumindest auf Schildern und in einigen Gesprächen deutliche Distanz zu Rechts. Andere Teilnehmer machten wiederum offen Witze über die Ermordung des (mutmaßlich von Rechtsextremen getöteten) CDU-Politikers Lübcke und zeigten in Gesprächen ihre Ablehnung von Flüchtlingen. Auch Mitglieder der AfD, die sich in der Bundespolitik eigentlich deutlich neoliberal und vereinzelt generell gegen die Rente zeigt, nahmen an der Demonstration teil.

Fridays gegen Altersarmut hat das eindeutige Potential eine größere Bewegung zu werden, die für ein neues Rentensystem kämpft. Die klare Rechtsoffenheit seitens vieler Teilnehmer kann nicht nur ihr großer Trumpf sein, sondern ihr auch noch zum Verhängnis werden.

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Über Vitus Studemund 22 Artikel
Schwerpunkte sind Aktivismus, Politik und Kriminalität in Aachen und NRW

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Bernhard Steffen
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Bernhard Steffen

„Fridays gegen Altersarmut“ ist eine inzwischen über 320.000 Mitglieder umfassende Gruppe von Menschen, die über parteipolitische Grenzen hinweg ihre Forderungen an die Regierung stellt. Altersarmut betrifft jeden, ganz gleich welcher Hautfarbe, Religion oder politischer Ausrichtung.
Auf unseren Mahnwachen dulden wir keine Hassreden, antisemitische Verunglimpfungen oder sonstigen Äußerungen die geeignet wären Menschen zu diskriminieren. Ebenso lehnen wir jegliche Parteienwerbung ab. Uns ist es wichtig zu vermitteln, dass es ausschließlich um das Thema „Altersarmut“ geht.
Jeder sozial eingestellte Vereinigung stehen wir offen gegenüber und zeigen uns Gesprächsbereit. Bislang hat man dies aber zu unserem Bedauern abgelehnt.