Notfallfahrpläne im ÖPNV: Coronakrise legt weite Teile des Zugverkehrs lahm

Auch auf den Zugverkehr hat der Coronavirus SarsCoV2 Auswirkungen. Computer Rendering: Centers for Disease Control and Prevention

Am Freitagmittag präsentierte der NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst in Düsseldorf einen Notfallfahrplan für den Regionalverkehr in Nordrhein-Westfalen. Welche Züge fahren noch? Muss ich mir noch Tickets kaufen? Was passiert bei einem Corona-Verdachtsfall im Zug? Ein Überblick.  

1. Welche Züge fahren noch, welche nicht mehr?  

Für viele Menschen aus Aachen und Düren dürfte es eine große Erleichterung sein: Die Verbindungen nach Köln und Düsseldorf bleiben stündlich bestehen, werden allerdings ausgedünnt. So fährt der RE1 zwar weiterhin stündlich von Aachen über Stolberg, Eschweiler und Düren nach Köln und Düsseldorf, allerdings entfallen die zusätzlichen Züge im Berufsverkehr (06:28 und 07:09 ab Aachen Hbf) vollständig. Das Angebot nach Köln wird zusätzlich durch den kompletten Ausfall der Linie RE9 verringert.  

Die Züge der Linie RE4 (u.a. von Aachen über Mönchengladbach nach Düsseldorf) fallen komplett aus. Dadurch besteht zwischen Aachen und Mönchengladbach nur noch die stündliche Verbindung der RB33, diese benötigt aufgrund einiger Zwischenhalte wenige Minuten länger.  

Die euregiobahn (RB20) zwischen Stolberg und Düren fährt nicht mehr, ab Samstag soll es einen Schienenersatzverkehr zwischen Stolberg-Altstadt und Herzogenrath im 60-Minuten Takt geben.  

Die Züge der Firma flixtrain (von Aachen über Bielefeld, Hannover und Berlin nach Leipzig) fahren nicht mehr. Das Unternehmen teilte mit, dass die Tickets allerdings am selben Tag in der 2. Klasse der ICE- und IC-Züge der Deutschen Bahn benutzt werden dürfen – dadurch ergibt sich für die Fahrgäste ein breiteres Angebot.  

Weitere Informationen für den ab Samstag (21.03.2020) geltenden Notfallfahrplan gibt es auf der Website mobil.nrw.  

2. Brauche ich noch ein Ticket?  

Insgesamt wird das Angebot in ganz NRW um ca. 50 Prozent gesenkt. Das begründete man auch mit den stark gesunkenen Fahrgastzahlen in den letzten Tagen. Die Deutsche Bahn kündigte auch an, dass es in den Zügen zum Schutz des Personals vorerst keine Fahrkartenkontrollen mehr gebe. Die meisten Busunternehmen im Aachener Verkehrsverbund (AVV) öffnen in ihren Bussen nicht mehr die vorderen Türen und verkaufen keine Fahrscheine mehr beim Busfahrer. Dennoch ist die Fahrausweispflicht nicht aufgehoben. Tickets für die Busse und Bahnen in Aachen und Umgebung kann man zum Beispiel in der App DB-Navigator kaufen. 

Der Nahverkehr wird vorrangig für die Menschen in den sogenannten „systemrelevanten Berufen“ weiter betrieben. Deshalb bittet das Land NRW darum, alle anderen Fahrten erst nach der Hauptverkehrszeit um 9 Uhr zu tätigen.  

3. Was passiert, wenn es im Zug einen Corona-Verdachtsfall gibt?  

Wenn im Zug ein Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus besteht, werden zunächst die Türen verriegelt und anschließend die Bundespolizei kontaktiert. Der Zug bleibt im nächsten Bahnhof stehen, auch die umliegenden Gleise können gesperrt werden. Mit dem Erreichen der Bundespolizei (die in Deutschland für den Bahnverkehr) verantwortlich ist, müssen von allen Fahrgästen die Personalien festgestellt und sogenannte Aussteigerkarten ausgefüllt werden, auf welchen auch Daten wie die zurückgelegte Strecke und die Erreichbarkeit innerhalb des nächsten Monats abgefragt werden. Die Karten werden an das örtliche Gesundheitsamt übergeben, welches die Karten – wenn kein Verdachtsfall vorliegen sollte – nach spätestens 30 Tagen vernichtet. Betriebsmediziner*innen halten die Risiken einer Infektion über Armlehnen, Klapptische und Klimaanlagen übrigens für unwahrscheinlich. Dennoch kann jede*r das Risiko in Zügen minimieren, wenn man sich möglichst nicht in der Nähe von Mitreisenden aufhält. Außerdem wird die Türöffnung – soweit dies technisch möglich ist – an den Bahnhöfen zentral geöffnet, um den Kontakt mit den Türtastern zu vermeiden.  

4. Noch Fragen?

Du hast noch immer keinen richtigen Überblick? Kein Problem! Stelle uns deine Fragen zum Coronavirus in Aachen und der Region über unseren Instagram-Account (@aixformation) – direkt per Story.

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