Wegen manipulativen Videos

Anfeindung gegen Aachener Bundestagsabgeordneten

Manipulatives Video: Anfeindungen gegen Aachener Bundestagsabgeordneten

Der gebürtige Dürener Henke sitzt für den Wahlkreis Aachen seit 2009 im Bundestag
  • Ein Video des CDU-Abgeordneten Rudolf Henke wird seit mehreren Tagen im Internet verbreitet.
  • Darin hat es den Anschein, er würde fordern, ungeimpfte Kinder sollen mithilfe von Polizei den Eltern entzogen und Zwangs-geimpft werden.
  • Das Video ist jedoch manipulativ geschnitten, wie das Recherchezentrum Correctiv berichtete. Im Original fordert er genau das Gegenteil.

Aachen | Von „Mörder“ über „Vergewaltiger“ bis hin zu „Nazi“ reichen einige der Kommentare unter mehreren Facebook-Beiträgen, die ein knapp 20 Sekunden langes Video enthalten. Zu sehen ist der Aachener Bundestagsabgeordnete und Mediziner Rudolf Henke (CDU), wie er scheinbar fordert, dass nicht geimpfte Kinder auch mithilfe der Polizei zwangsgeimpft werden sollen. Nur hat er das nie gesagt. Ganz im Gegenteil.

„(Zwangsimpfung) ist nirgendwo vorgesehen“

Tausende Male wurde das Video auf Facebook geteilt, Zehntausende Male auf YouTube angeschaut. Einen „Bürgerkrieg“ wittert ein Zuschauer, „Rudolf Henke…. bald kommt der Henker!“ eine andere Nutzerin. Es sind beunruhigende Worte nach zahlreichen Angriffen auf Politiker und sie wirken umso erschreckender, wenn man bedenkt, dass nicht Henkel, sondern jemand anderes, der das Originalvideo bearbeitete, die Verantwortung für die Empörung trägt.

„Der im Beitrag geteilte Ausschnitt ist so gewählt, dass die eigentliche Aussage in ihr Gegenteil verkehrt wird“, fasst es der Journalist Steffen Kutzner vom unabhängigen Recherche- und Factchecking-Zentrum Correctiv zusammen. Denn sowohl im Protokoll der Sitzung vom 18. Oktober als auch in der gesamten Videoaufnahme ist seine ganze Aussage, die im Zusammenhang mit dem Masernschutzgesetz entstanden, festgehalten:

Meine Assoziation zur Impfpflicht ist folgende Situation: Ich denke an ein Kind, dessen Eltern sich weigern, es impfen zu lassen. Die Eltern bekommen Besuch von der Polizei. Das Kind wird ihnen entzogen und in ein Gesundheitsamt gebracht. Dort wird eine Pflichtimpfung durchgeführt. Das ist nirgendwo in diesem Gesetzentwurf vorgesehen. Genauso wenig ist vorgesehen, dass die Weigerung, ein Kind impfen zu lassen, dazu führt, dass man die Schulpflicht außer Kraft setzen kann.

Rudolf Henke, 18. Oktober 2019, Quelle: Deutscher Bundestag

Henke sagte also, dass es eben aufgrund solcher Konnotationen keine Impfpflicht gebe. Eine so große Welle könnte das Video übrigens auch aufgrund der geplanten Impfstoffe gegen das neue Coronavirus SARS-2 gemacht haben, mit denen Henkes Aussagen assoziiert worden seien konnten – auch wenn das Video schon vor einem halben Jahr entstand.

Für das Aus-dem-Kontext-Reißen der eigentlichen Worte Henkes entschuldigte sich aber auch schon ein großer YouTuber öffentlich. Durch die unübersichtliche Verbreitung des Videos bleibt unklar, wer die Rede ursprünglich in ihrer jetzigen manipulativen Form verbreitete.

Zuerst geteilt wurde das Video wohl in der Facebook-Gruppe „Neues Forum 89 Leipzig“, die sich offenbar zur verschwörungsideologischen Q-Anon-Bewegung zählt und von einem Botschafter der Initiative „Ein Prozent“, die das Internetportal „Belltower.News“ als NGO der neuen Rechte bezeichnete, mitgegründet wurde. Mitglieder der Gruppe teilten in ihr vereinzelt auch Reichsbürger-ähnliche Parolen.


Beitragsbild: CDU/CSU-Bundestagsfraktion (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cdu_parteitag_dezember_2012_henke.JPG#mw-jump-to-license), „Cdu parteitag dezember 2012 henke“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Vitus Studemund
Über Vitus Studemund 35 Artikel
Vitus Studemund schreibt über Protest und Politik in Aachen.

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