Zelten für die Weltrettung

Dortmund: „Klimacamp“ steht mit Sprühkreide auf einem Weg im Revierpark Wischlingen geschrieben. Mit dem „Klimacamp“ ist der Sommerkongress der „Fridays for Future“ (FFF) Bewegung gemeint. Ein Team aus zahlreichen Jugendlichen (der Jüngste ist 13) hat seit drei Monaten an den 5 Tagen gearbeitet, an denen 1500 junge Klimaaktivist*Innen sich vernetzen, feiern, Pläne schmieden und Strukturen von FFF ausarbeiten.

Viele Workshops werden angeboten

Um 14:00 Uhr stehen am Mittwoch schon mindestens 100 der angehenden Weltretter im Ankunftszentrum. Bändchen werden an die Teilnehmenden verteilt; jeder muss einen „Verhaltenskodex“ unterschreiben – so verpflichten sie sich mit Unterschrift z.B. aufeinander zu achten.

Beim Check-In muss ein Verhaltenskodex unterschrieben werden

Das Gelände ist riesig – fast schon wie bei einem Festival. Als solches wird der Sommerkongress auch von der Google Suche eingestuft. Musik gibt es auch: Eine Reggae-Band vertont die Forderungen und Befürchtungen der FFFler. „Es ist kurz vor 12“, singen sie immer wieder, während vor der Bühne getanzt wird.

Auch Makena aus dem ESC-Vorentscheid spielt auf der Bühne

Die jungen Aktivist*Innen, die sich noch nicht vor der Bühne zum Tanzen versammelt haben, bauen immernoch ihre Zelte auf. Auf zwei großen Wieseflächen schlafen sie entweder in großen Gemeinschaftszelten oder in selber mitgebrachten. Die Plätze für die eigenen Zelte sind abgesteckt. Darin können die Zelte nach Belieben aufgebaut werden. Dazwischen sind Fluchtwege für die Evakuierung. Teenager habe zusammen mit der Stadt Pläne entwickelt für einen Zwischenfall-freien Kongress. Und diese Pläne erweisen sich als vernünftig, denn schon um 15 Uhr muss am Mittwoch die erste Evakuierung stattfinden. Zum Glück für die Veranstalter waren zu dem Zeitpunkt erst ca. 200 Teilnehmende auf dem Gelände. Schon bis zum Abend sind es über 1000 und immer wieder kommen weitere Gruppen.

An den meisten Zelten hängen die Bewohner*Innen Flaggen auf

Zwischen Ankunftszentrum und Zeltplätzen ist neben zahlreichen Zelten ein Pavillion für die Veranstaltungsleitung, die aus Teenagern besteht. Einer von ihnen ist der 18-Jährige Jakob Blasel aus Kiel. Zusammen mit zahlreichen Mitstreiter*innen sitzt er schon seit Monaten an dem Projekt. Für ihn ist der Sommerkongress das Ergebnis der letzten Wochen – für Lucas Pohl ein Wunsch, ja sogar Bedürfnis der ganzen „Fridays for Future“-Bewegung. Der 21-Jährige ist bei FFF für Grafiken und Social Media der deutschlandweiten Accounts zuständig. Dort berichtete er auch über die „Kongress-WG“. In den letzten Wochen bildeten die Jugendlichen eine eigene Wohngemeinschaft in Dortmund, um den Kongress zu organisieren.

Jakob Blasel arbeitet im „Orga-Zentrum“

Aber die Jugendlichen sind nicht alleine. Auch zahlreiche Erwachsene greifen den „Kids“ unter die Arme. Wolfgang steht schon seit mehreren Stunden vor einem Lageplan des Geländes und hilft den Ankommenden bei der Orientierung. Als er vom Sommerkongress gelesen hat, wollte er gleich die Aktion tatkräftig unterstützen und meldete sich über ein Internetformular als Helfer an.

Wolfgang aus Dortmund unterstützt FFF

Aber er und seine Mitstreiter*Innen sind nicht die einzigen „Ü30er“ auf dem Gelände. Neben der Polizei, die sogar Personenkontrollen durchführt, ist auch das Jugendamt vor Ort. Barbara Muche ist schon seit dem Morgen vor Ort: „Bis jetzt ist alles super, alles war friedlich. Wir haben auch keine Befürchtungen, sind aber gerüstet und vor Ort weil hier viele Minderjährige sind“. Mit der Stadt und vor allem FFF habe es viele und konkrete Absprachen gegeben.

Auf dem Kongress hat FFF sogar einen eigenen Kiosk. Verkauft werden Bio-Limonaden. Der Verkäufer rechnet mit hohem Interesse, die Artikel sind preiswert. Dass er auf einmal in einem selbst gebastelten Kiosk steht, um auf dem Kongress einer Schüler*Innenbewegung zu helfen, kommt ihm selber seltsam vor. Vor allem wie rasant sich FFF entwickelt hat: „Die Jugend agiert so schnell, Greta war der Auslöser und hat so viel Energie freigesetzt. Die war aber auch schon davor da“. Und agieren muss er jetzt auch schnell: Es beginnt auf einmal in Strömen zu regnen, Donner ist zu hören.

Der „Kiosk“ verkauft vor allem Limonade, aber auch z.B. Oropax

Und so endet der erste „Sommerkongress“-Tag. Auch am Donnerstag ist schon früh Programm – Joko Winterscheidt moderiert auf der Bühne. Auch der bekannte Kabarettist Marc-Uwe Kling („Die Känguru Chroniken“) soll auftreten. Und sogar das Gesicht der Bewegung, Greta Thunberg, hätte angeboten, am letzten Tag vorbei zu kommen. Das mussten die Organisator*Innen notgedrungen absagen. Es wäre nicht stemmbar gewesen, zu viele andere Prominente sollten schon kommen.

An zu viel Unterstützung wird es aber nicht scheitern. Joko Winterscheid macht nach seinem Auftritt noch einmal deutlich, dass alle gebraucht werden: „#AlleFuersKlima!“.

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Über Vitus Studemund 19 Artikel
Schwerpunkte sind Aktivismus, Politik und Kriminalität in Aachen und NRW

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